Unsere Reise in die Ukraine

Unsere Reise in die Ukraine

27. Januar – 4. Februar, 2015
3W5K890772_dpi_960Bericht von Pascale Vayer, kleine herzen

Nach einer langen Reise, kamen Matthew – unser professioneller Fotograf, der uns ehrenamtlich unterstützt – und ich am 27. Januar in Kharkiw an. Kharkiw ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine mit ca. 2 Millionen Einwohnern. Sie liegt nordöstlich von Kiew. Laut offiziellen Angaben suchten im vergangenen Jahr 20.000 Flüchtlinge aus der Donbass-Region und vor allem aus den zwischen Separatisten- und Regierungstruppen umkämpften Städten Donetsk und Lugansk Schutz in Kharkiw.

Einige Kilometer außerhalb der Stadt haben wir zwei Waisenhäuser für geistig behinderte Kinder besucht. Das erste Waisenhaus kümmert sich um 110 behinderte Kinder und AIDS-infizierte Kinder. Sie sind zwischen 0 und 6 Jahre alt. Das zweite Haus beherbergt 96 behinderte Kinder im Alter von 4-18 Jahren. All diese Kinder brauchen täglich intensive Betreuung und Pflege sowie spezielle Therapien. Momentan sind beide Häuser sehr voll, weil Waisenhäuser aus den Kampfgebieten ihre Kinder dahin ausgelagert haben. Die beiden Häuser sind in hinreichend gutem Zustand und werden von einem kompetenten und liebevollen Betreuungsteam umsorgt. Die finanzielle Unterstützung seitens der Regierung ist jedoch nicht ausreichend, um die täglichen Kosten der Betreuung sicherzustellen und die Behandlungsmöglichkeiten für die Kinder zu verbessern.
kleine herzen plant, beide Häuser mit folgenden Maßnahmen zu unterstützen:

  • Anschaffung von Windeln: durchschnittlich braucht ein Kind 4 Windeln am Tag – das sind 10 000 Windeln/Monat insgesamt.
  • Physiotherapeutische Geräte für Kinder mit infantiler Zerebralparese (Projektkosten: ca. 6400 EUR)

Im Anschluss an den Besuch der Waisenhäuser haben wir auch ein Zentrum für junge alleinerziehende Mütter besucht. Dort können 11 junge Mütter mit ihren Babys für ein Jahr aufgenommen werde. Sie bekommen psychologische Unterstützung sowie Hilfe bei der Pflege ihrer Kinder. Wenn die Mütter das Haus wieder verlassen, haben die meisten eine Wohnung sowie eine Arbeit. 70 % der Mütter können so ein ganz normales Leben mit ihren Kindern führen.

Im Zentrum für alleinerziehende Mütter haben wir Nikita kennengelernt. Sie ist drei Jahre alt und hat einen Herzfehler, der durch einen kleinen Eingriff behoben werden kann, für den ihre Mutter jedoch kein Geld hat. Kleine herzen hat umgehend 1000 EUR zur Verfügung gestellt. Es fehlen weitere 1000 EUR, die wir nun sammeln wollen. Bitte helfen Sie uns. Vielen Dank!

Die Eröffnung des Caritas-Spes Zentrums für Flüchtlinge der Donbass Region und der sozial bedürftigsten Menschen der Kharkiw-Oblast

Das Caritas Zentrum für Flüchtlinge und sehr arme Menschen bietet von Montag bis Freitag über 100 Bedürftigen eine warme Mahlzeit an. Am Tag der Eröffnung warteten bereits um 10:00 zahlreiche Menschen am Eingang um ihre Verpflegung zu erhalten. Um 11:30 haben mehr als 100 Bedürftige das Zentrum betreten und warteten geduldig darauf, von Freiwilligen eine dickflüssige, heiße Suppe mit Fleisch und Gemüse, ein Stück Brot und Schokolade serviert zu bekommen.

Am selben Tag haben wir mit großer Freude die Nachricht erhalten, großzügige Unterstützung der deutschen Organisation “Ein Herz für Kinder” zu bekommen, die uns dabei Helfen wird, das Zentrum zu vergrößern und den Kindern der Flüchtlinge aus der Donbass Region zu helfen.
Die Kinder bekommen eine warme Mahlzeit, Kleidung, medizinische Versorgung und psychosoziale Unterstützung, die ihnen dabei helfen wird, durch den Krieg verursachte Traumata zu überwinden. Auch ein Gemeinschaftsraum, in dem die Kinder spielen können wird zur Verfügung gestellt.
Das Zentrum wurde durch den Einsatz von Versand-Containern innerhalb nur eines Monats erbaut. Aufgrund der hohen Belastbarkeit, breiter Verfügbarkeit und relativ geringer Kosten sind die Container eine ideale Lösung für das Kinderzentrum.

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Das Waisenhaus für physisch und geistig behinderte Kinder braucht dringend unsere Unterstützung

Nachdem wir am Freitag, den 30. Januar 65 Kilometer auf der Hauptstraße von Kharkiw nach Kiew durch ein Niemandsland gefahren sind, sind wir in einem kleinen Dorf mit etwa 5000 Einwohnern angekommen. Außerhalb der Stadtgrenzen liegt ein Waisenhaus für physisch und psychisch behinderte Kinder und Jugendliche. Abgeschnitten von der Gesellschaft leben dort 120 Kinder im Alter von 6 bis 26 Jahren.

Das Waisenhaus zu besuchen und das Leid der Kinder mit eigenen Augen zu sehen war eine sehr emotionale Erfahrung und hat uns darin bestärkt, Hilfe zu leisten.
Die Angestellten des Waisenhauses sind alle sehr herzliche und hilfsbereite Menschen, sie haben allerdings nicht die finanzielle Unterstützung um das Leben dieser kleinen verwaisten Engel zu verbessern.
Leider können wir nicht alle Fotos, die Mathew bei unserem Besuch im Waisenhaus geschossen hat, aus Respekt den Kindern gegenüber, veröffentlichen.

Das Waisenhaus braucht dringend unsere Unterstützung! Kinder, die ihr Leben lang ans Bett gebunden sind, brauchen eine professionelle medizinische Behandlung sowie die notwendige Ausrüstung für physiotherapeutische Übungen. Davon abgesehen ist es absolut notwendig, ein sauberes Zuhause ohne großflächig schimmelnde Wände, die die Gesundheit der Waisen gefährden, zu sichern. Sie brauchen uns so sehr dass es schon weh tut.

Matthew und ich haben die letzten 3 Tage damit verbracht, unsere Projekte in Kiew, Chernihiv, Fastiw und Zhytomyr zu besuchen

Die Kinder die gemeinsam mit ihren “Müttern” in den von uns unterstützten Familienhäusern leben, waren sehr über unseren Besuch erfreut und Matthew konnte wunderschöne Fotos von ihnen schießen. Die letzten drei Nächte haben wir im Familienhaus St. Josef in Kiew, von glücklichen und gesunden Kindern umgeben, verbracht. Wir haben die Familienhäuser von St. Johann in Kiew, Chernihiv, St. Mary und St. Josef in Zhytomyr besucht. Wir danken den Sponsoren der Kinder von ganzem Herzen für die großzügige Unterstützung!

Am 2. Februar sind wir nach Fastiw, 80 Kilometer südlich von Kiew, gefahren und haben unser Zentrum für Straßenkinder, das St. Martin Haus, besucht.

Dank des gemeinnützigen Verein H. Stepic CEE Charity und des österreichischen Unternehmens Asamer, ist es uns gelungen ein Zentrum zu bauen, das 40 Kindern als ein neues Zuhause dient. Unter der Woche können in dem St. Martin Haus Kinder aus stark benachteiligten Familien nächtigen.
Täglich betreut das Zentrum 38 Kinder, die gemeinsam mit ihren Eltern unter sehr prekären Bedingungen leben. Insbesondere sind es Kinder aus Roma und Sinti Familien.
Das Wohngebiet der Roma und Sinti Familien ist wortwörtlich die Müllhalde der Stadt. Ich kann gar nicht die richtigen Worte finden, um die extreme Armut zu beschreiben, in der die Familien mit ihren Kindern leben.
Es ist unmenschlich, sie aufzugeben und unter solchen Bedingungen leben zu lassen. Jeder Mensch hat das Recht auf ein anständiges und bedingungsloses Leben.
Die Roma und Sinti Familien haben absolut keine medizinische Unterstützung und Mädchen werden bereits im frühen Alter von 14 Jahren zu Müttern. Vater Michail, der Direktor des St. Martin Hauses hilft diesen Familien so viel er kann, aber seine finanziellen Ressourcen reichen lange nicht aus und daher ist unsere Hilfe stark von Nöten.
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Auf Wiedersehen, Ukraine! Was für ein emotionaler Schock es ist, wieder in einem wohlhabenden Land zu sein, das nur zwei Stunden von Wien weg ist.
Während dieser 10 emotional geladener Tage haben wir jede Menge Missstände, besonders unter Kindern beobachtet. Matthew und ich haben Geschichten von Misere und Schmerz gehört und auch mit unseren eigenen Augen gesehen. Allerdings haben wir auch den unstillbaren Durst von Menschen, die mit den geringsten Mitteln versuchen etwas zu Bewegen, erlebt und das hat uns sehr dazu bewegt, auch selbst Hilfe zu leisten.
Ich kenne die Herausforderungen der Ukraine: ein extrem hohes Inflationsniveau (24,9% im Jahr 2014), das in den nächsten Monaten sogar voraussichtlich steigen wird. Der Krieg in der Donbass Region zwingt hunderttausende Menschen in andere Regionen des Landes zu flüchten und führt zu einem Mangel an finanziellen Ressourcen. Ich sehe es als meine, und auch unsere Pflicht, den ärmsten der Ärmsten zu helfen – den Kindern.

In kürze werden wir auf unserer Webseite dringende Projekte veröffentlichen, die wir so bald wie möglich realisieren möchten um den ukrainischen Kindern in Not zu helfen.

Bitte helfen Sie uns zu helfen! Wir brauchen Sie!
Von ganzem Herzen, vielen Dank!

Pascale Vayer

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