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Eine Liebesgeschichte


Von Pascale Vayer, Obfrau des Vereins kleine herzen

Diese Geschichte beginnt am 26. März, als 63 kleine Kinder aus dem Waisenhaus von Krepivnitsky in der Ukraine nach Österreich evakuiert wurden.  Seit sieben Monaten ist der Krieg nun in vollem Gange. Der Tod unschuldiger Zivilisten, unschuldiger Kinder erschüttert und verletzt mich tief in meinem Herzen und in meiner Seele. Aber der Krieg ist für mich nur Nachrichten, die ich jeden Tag in der Presse lese. Ich habe das Glück, in einem friedlichen Land zu leben, ohne Angst vor dem nächsten Tag, ohne Angst vor Hunger und Kälte.

Seit dem 26. März erlebe ich eine Liebesgeschichte. 63 kleine ukrainische Kinder sind zu meinen Kindern geworden. Ich sehe sie aufwachsen, aufblühen unter dem fast immer blauen Himmel des Burgenlandes.

Sobald meine kleine Svetlana mich sieht, läuft sie mit ihren kleinen, noch instabilen Beinen einer Zweijährigen auf mich zu. Mein Herz beginnt vor unbeschreiblicher Freude zu schlagen. Und dann kommen Milana, Stanislav, Angelina, Oleg, Olga, Sergey, Maksim, Katja, Masha, Diana dazu und wenn ich könnte, würde ich sie alle in meinen Armen tragen.

Viele von ihnen haben hier gehen gelernt. Sie sind glücklich. Ich sehe jeden Tag, wie sie wachsen und aufblühen und ich bin glücklich. 

Artur lächelt mich an, wenn ich sein sanftes Gesicht streichle. Artur wurde mit einer schweren Behinderung geboren und kann nicht sitzen.

Dr. Svehlik, ein sehr gütiger Arzt im Krankenhaus von Graz, tut sein Bestes, um Arturs Gesundheit zu verbessern, aber auch die von Sasha, Viktor und Timofiy, damit diese Kinder eines Tages trotz ihrer Behinderung ein menschenwürdiges Leben führen können.

Meine Welt ist die Welt meiner 63 Kinder und wir teilen das Glück, zusammen zu sein, ohne an morgen zu denken. Meine Gefühle rasen, wenn ich daran denke, dass sie in Frieden zu Hause in der Ukraine leben sollten.

Mein tägliches Glück beginnt um 7 Uhr morgens. Matei, Illia, Angelika, Veronika, Maksim, Denis, Anna und Viktoria schenken mir ihr breites Lächeln und sagen mir fröhlich guten Morgen, bevor sie in den Bus steigen, der sie zum Kindergarten bringt.

Um 8 Uhr frühstücken meine Kleinen. Sie haben Hunger und zeigen das, indem sie sich mit Gesten und Geräuschen ausdrücken. Man muss sich beeilen, denn Hunger wartet nicht.

Um 9 Uhr gibt es ein tägliches Treffen, um den Tag zu organisieren. Wir sind viele, mehr als 115 Seelen. Es vergeht kein Tag ohne einen Besuch beim Arzt. 

Und dann kommt die Zeit der Umarmungen, der zärtlichen Küsse und der Verteilung von Kuchen und Süßigkeiten.  Die kleinen Beine rennen auf mich zu und ich höre ein „qua“ oder ein „pa“. Sie rufen mich. Mit zwei Jahren ist es noch unmöglich, „Pascale“ auszusprechen. Alles, was ich gerade tat, wurde zweitrangig und ihre Anwesenheit wurde zu meinem Universum aus 63 kleinen funkelnden Sternen. 

Seit August hat jedes Kind eine Patin oder einen Paten aus Europa, „eine Tetya oder einen Dyadya“. Täglich kommen Postpakete mit Kleidung, Spielzeug und Süßigkeiten an. Zum ersten Mal in ihrem Leben wird ein Paket an sie persönlich adressiert. Ihre Überraschung ist groß und ihre Freude ansteckend.

Ja, ich lebe die große Liebe und ich danke von ganzem Herzen allen, die sich für meine 63 Kinder engagiert haben, engagieren und ihre Herzen öffnen, damit sie fernab vom Krieg glücklich leben können. Ohne sie, ohne euch, würde diese schöne Geschichte nicht existieren. Ihr habt mir das schönste Geschenk der Welt gemacht, 63 glückliche Kinder, und dank euch weiß ich, dass die Welt schön und gut sein kann und dass der Frieden keine Utopie ist.

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