Die derzeitige Situation der Kinder ohne elterliche Betreuung

Die derzeitige Situation der Kinder ohne elterliche Betreuung

Statistiken zeigen, dass der Lebensstandard in Russland stetig steigt. Doch sie zeigen auch, dass die Ärmsten davon nicht profitieren, während die Reichen immer reicher werden.
Das Armutsproblem in Russland geht tiefer. Einkommen und Vermögen sind extrem ungleich verteilt. Bei dem Großteil der Bevölkerung ist das Einkommensniveau äußerst niedrig. 2010 betrug das Durchschnittseinkommen in Russland 500 Euro im Monat. Häufig entsteht aus der akuten Armut eine chronische. Die materielle Lage der Bevölkerung der untersten Einkommensschichten ist permanent durch Verschlechterung bedroht. Eine plötzliche Erkrankung, der Tod eines Familienmitglieds, Ehescheidung oder Arbeitsplatzverlust können zu verheerenden Folgen führen und langfristige Armut erzeugen. Die meisten Armen leben auf dem Land und gehören zur Bevölkerungsschicht mit dem niedrigsten Ausbildungsniveau.
Kinder und Jugendliche sind von Armut ihrer Familien am stärksten betroffen. Im Vergleich zur Kinderarmut in Europa, die durchschnittlich 6 bis 8 Prozent ausmacht, liegt diese Ziffer in Russland bei 24 Prozent.
Ein steigendes Problem ist die Kriminalität, sowie Alkohol und Drogenkonsum unter Kindern und Jugendlichen. Die Not treibt viele Kinder und Jugendliche auf die Straße. Die Zahl der Straßenkinder in Russland wird auf eine Million geschätzt. Die meisten von ihnen sind kriminell. Ein Drittel der Straßenkinder geht der Prostitution nach.
Viele Kinder sind alkohol- und drogenabhängig. Unter ihnen stößt man auf Kinder zwischen sechs und zehn Jahren. Von den 14- bis 18-Jährigen trinken fast 90 Prozent regelmäßig Alkohol. Der Konsum von Rauschgift steigt permanent mit den traurigen Folgen, dass 90 Prozent der Drogen-Abhängigen mit Hepatitis infiziert sind und die Zahl der HIV-Infizierten ständig steigt.
In der Regel bekommen arme Familien nur eine geringe Unterstützung des Staates.
(Referenz: Strassenkinderreport.de)

Staatliche Internate / Waisenhäuser

Nach Regierungsangaben wachsen mehr als 650 000 Kinder in staatlichen Einrichtungen ohne Vater und Mutter auf. Entweder sind sie Waisen, oder ihre Eltern sind ihrer Verantwortung nicht gewachsen. Waisenkinder sind selten Vollwaisen. Oft haben sie noch ein Elternteil, Geschwister oder Verwandte, die sich jedoch nicht um die Kinder kümmern möchten oder können, ein Phänomen namens “Sozialwaisen”.
Die Gründe warum viele Kinder in staatlichen Einrichtungen (auch Internate/Waisenhäuser genannt) leben, sind: Entzug der elterlichen Rechte (Alkoholismus, Gewalt etc…); Tod einer oder beider Elternteile; Weigerung der Eltern, das Kind zu behalten (schwere Lebensbedingungen wie Arbeitslosigkeit, alleinerziehende Mütter, soziale Not, und die fehlenden geeigneten Einrichtungen für die Erziehung und Betreuung von kranken Kindern).
Aus eigenen Mitteln und nur aufgrund eigener Anstrengungen können diese Menschen ihre Lage nicht verbessern oder ihre Bildungs- und Ausbildungsdefizite überwinden. Chancen, um Veränderungen herbeizuführen, hätten bestenfalls sozialpolitische Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut. Besonders wichtig sind speziell zugeschnittene Programme zur Verbesserung des Bildungsgrades und zur Reintegration von Jugendlichen.
(Referenz: Strassenkinderreport.de)

In Russland sind die meisten fremdbetreuten Kinder in Heimen und Internaten untergebracht. Kinder mit Behinderungen kommen in spezielle Einrichtungen. Kinder mit Entwicklungsdefiziten gelangen in sogenannte „Correctional Internate“, wo die Schulbildung innerhalt des Internats durchgeführt wird. Leider gelangen viele Kinder in diese speziellen Internate, weil sie in ihrer frühen Kindheit vernachlässigt wurden. Kinder können innerhalb dieser Einrichtungen 9 Jahre lang die Schule besuchen, erhalten jedoch aufgrund des niedrigen Ausbildungsniveaus kein Zeugnis, dass es ihnen erlauben würde, eine weiterführende höhere Schule zu besuchen. Sie erhalten die Möglichkeit eine Berufsschule für Handwerksberufe zu besuchen. Aufgrund der traurigen Lebenssituation und der mangelnden Vorbereitung schaffen jedoch nur wenige den Abschluss der Berufsschule.

Das Leben nach dem Waisenhaus

All diese Kinder sind nicht auf ein Leben in Selbständigkeit vorbereitet, wenn sie als junge Erwachsene die Einrichtungen verlassen. Diese Internate sind geschlossene Erziehungsanstalten. In jeder dieser Einrichtungen wird eine große Anzahl von Kindern eher „verwaltet“ als betreut und wohlwollend umsorgt. Es fehlt an persönlicher Zuwendung und Wertschätzung. Die Betreuerinnen kümmern sich allenfalls um die Grundversorgung der Kinder und sie sind damit zeitlich und menschlich überfordert.
Die Kinder haben wenig Gelegenheit das Internat zu verlassen und wissen fast nichts über das Leben außerhalb. Mit 18 Jahren werden sie entlassen, oftmals ohne Unterkunft, ohne die Möglichkeit sich an jemanden zu wenden, ohne vernünftige Ausbildung, ohne soziale und praktische Kenntnisse und ohne jedwede Unterstützung. Nach den Angaben der russischen Staatsanwaltschaft findet nur einer von 10 erwachsenen Waisenkindern nach der Entlassung aus dem Waisenhaus seinen Platz in der Gesellschaft. Das bedeutet, nur einer von zehn findet eine Arbeit, gründet eine Familie und führt ein „normales“ Leben.
Die russische Regierung versucht mit Hilfe von Pflegefamilien eine Verbesserung für die Kinder zu erzielen. Leider gibt es jedoch zu wenige Familien, die diese Kinder in Pflegschaft nehmen können, weil die finanzielle Unterstützung zu niedrig ist und viele der Familien nicht die Anforderungen erfüllen.

Wo arbeitet kleine herzen?

Russland besteht auf 87 Regionen (Oblasten). In der kleinen Region Pskow, „Land Region“ ca. 700 km nordwestlich von Moskau entfernt, unterstützt kleine herzen zurzeit vier Internate für Kinder mit Entwicklungsdefiziten „Correctional Internate“: die Internate von Vorontsovo, Opochka, Krasnogorodsk und Porkhov, und das Internat von Pytalovo für gehörlose Kinder. Ein Waisenhaus für Babys in Idritsa hat kleine herzen bis zu dessen Schliessung im Jahr 2014 unterstützt. Das Waisenhaus wurde in einen Kindergarten für Kinder von armen Familien umgewandelt.

Kleine herzen ist mitterweile einer der größten Sponsoren der Region zum Wohl der Kinder und hat viele Projekt erfolgreich abgeschlossen.
kleine herzen arbeitet seit 2009 in Kooperation mit der Charity Organisation Pskov regional Branch of Russian Children’s Foundation für das Wohl von bedürftigen Kindern.
Der Verein wurde seit dem Beginn der Aktivitäten in der Pskow Region jedes Jahr mit besonderem Dank durch den Gouverneur Andrei Turchak ausgezeichnet.

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